Einen Anwalt beauftragen – Infos zu Auswahl, Leistungen und Kosten, Teil 1

Einen Anwalt beauftragen – Infos zu Auswahl, Leistungen und Kosten, Teil 1

Grundsätzlich kann immer dann ein Anwalt zurate gezogen werden, wenn eine rechtliche Frage im Raum steht oder ein Rechtsstreit droht. Allerdings sollten auch die Kosten bedacht werden. Wären die Prozesskosten deutlich höher als der Streitwert, lohnt sich der ganze Aufwand womöglich nicht. Andersherum gibt es zahlreiche Situationen, in denen juristische Hilfe sinnvoll oder sogar notwendig ist.

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Einen Anwalt beauftragen - Infos zu Auswahl, Leistungen und Kosten, Teil 1

Das betrifft zum einen die Rechtsberatung. Bei rechtlichen Fragen zu einem möglichen oder konkret drohenden Rechtsstreit und auch zu vertraglichen Angelegenheiten kann rechtlicher Rat hilfreich sein.

Ein Anwalt kann die Rechtslage erklären, die Situation einschätzen, mögliche Rechtsschritte aufzeigen und Verträge prüfen.

Zum anderen kann ein Anwalt bei rechtlichen Angelegenheiten und strafrechtlichen Auseinandersetzungen wichtig sein. Als Rechtsbeistand vertritt er seinen Mandanten vor Gericht und hilft dabei, dessen Interessen zu wahren. Bei einigen Prozessen, beispielsweise vor dem Landgericht, bei einer Scheidung oder im Sorgerecht, besteht ohnehin Anwaltszwang.

Nun ist es aber für die meisten nichts Alltägliches, einen Anwalt zu beauftragen. Deshalb besteht oft Unsicherheit. Welcher Rechtsanwalt ist der Richtige für mein Anliegen? Was genau macht der Anwalt? Wie teuer wird das Ganze?

Um Hilfestellung zu bieten, stellen wir in einem ausführlichen Ratgeber Infos zu Auswahl, Leistungen und Kosten bei der Beauftragung eines Anwalts zusammen!:

Wo finde ich einen passenden Rechtsanwalt?

Um einen geeigneten Anwalt zu finden, gibt es mehrere Möglichkeiten. Hilfreich kann sein, sich im Familien- und Freundeskreis umzuhören. Vielleicht gibt es jemanden im persönlichen Umfeld, der eine Kanzlei empfehlen kann.

Daneben bietet sich das Internet für eine Recherche an. Online ist es möglich, nach Anwälten zu suchen und die Bewertungen früherer Mandanten zu lesen. So entsteht ein erster Eindruck von den Leistungen der jeweiligen Kanzlei.

Eine weitere Anlaufstelle kann die örtliche Anwaltskammer sein. Sie stellt auf Anfrage eine Liste mit Anwälten im entsprechenden Fachgebiet zur Verfügung. Wer eine Rechtsschutzversicherung hat, kann sich auch dorthin wenden.

Die Versicherer arbeiten meist mit einem großen Netzwerk aus Anwälten für alle Rechtsbereiche zusammen und können Kontakte vermitteln.

4 Kriterien für die Auswahl eines Anwalts

Wenn ein Anwalt beauftragt wird, geht es um ein wichtiges Anliegen. Deshalb macht es Sinn, sich die Zeit zu nehmen, um den richtigen Rechtsbeistand zu finden. Immerhin kann davon abhängen, ob das gewünschte Ergebnis im Rechtsfall erzielt wird.

Hilfreich bei der Entscheidung können vor allem diese vier Kriterien sein:

  • Fachgebiet: Der Anwalt sollte als Fachanwalt für das jeweilige Rechtsgebiet weitergebildet sein und das notwendige Fachwissen in diesem Bereich haben. Geht es zum Beispiel um eine spezielle Frage aus dem Vertragsrecht, kann ein Fachanwalt für Familienrecht oder Verkehrsrecht nur begrenzt weiterhelfen.

  • Erfahrung: Gut ist, wenn der Anwalt bereits Fälle verhandelt hat, die dem eigenen Anliegen ähneln.

  • Kosten: Bereits im Vorfeld sollte geklärt sein, welche Kosten anfallen und wie der Anwalt sein Honorar berechnet. Ein teurer Rat ist nicht zwangsläufig auch ein guter Rat.

  • Bauchgefühl: Zum Anwalt muss ein gewisses Vertrauen bestehen. Deshalb entscheidet letztlich auch das Bauchgefühl mit. Wer sich verstanden, gut beraten und verlässlich aufgehoben fühlt, hat einen geeigneten Anwalt gefunden.

Was ist bei der Erstberatung beim Anwalt wichtig?

Eine juristische Beratung hat in erster Linie die Aufgabe, die rechtliche Situation einzuschätzen und mögliche Vorgehensweisen aufzuzeigen. Im Gespräch erklärt der Anwalt denkbare Rechtsfolgen, um so dabei zu helfen, eine Entscheidung zu treffen.

Üblicherweise beginnt ein anwaltliches Erstgespräch damit, dass sich beide Seiten kurz vorstellen. Während der Mandant den Sachverhalt schildert, stellt der Anwalt gezielte Fragen, damit er den Tatbestand klären und einschätzen kann.

Hat sich der Anwalt ein Bild gemacht, informiert er über die rechtlichen Möglichkeiten, benennt die Risiken und gibt eine Empfehlung für das weitere Vorgehen ab.

Dabei darf der Anwalt zu keinem Zeitpunkt falsche Hoffnungen machen oder wesentliche Informationen, die für eine Entscheidung relevant sind, verschweigen.

Gesetzlich vorgeschrieben ist außerdem, dass der Anwalt schon im Rahmen des Erstgesprächs über die Kosten für die Rechtsberatung und eventuelle Folgekosten aufklärt. Nach dem Gespräch kann der Mandant entscheiden, ob er den Anwalt beauftragen will oder ob er ihm das Mandat nicht erteilt.

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Die Vorbereitung auf das Gespräch

Wichtig ist zunächst, alle relevanten Unterlagen und Dokumente zusammenzustellen und zum Termin mitzubringen. Hilfreich kann auch sein, sich vorab Notizen dazu zu machen, wie sich der Fall abgespielt hat.

Je mehr Informationen der Anwalt hat, desto besser kann er die Sachlage beurteilen und desto gezielter kann er helfen. Selbst wenn es unangenehm sein mag, ist es nur im eigenen Interesse, offen und ehrlich zu sein und nichts wegzulassen.

Daneben kann sinnvoll sein, eine Liste mit Fragen zu erstellen, die im Gespräch geklärt werden sollen. Dadurch lässt sich sicherstellen, dass am Ende alle notwendigen Informationen vorhanden sind, um sich für oder gegen ein Mandat zu entscheiden.

Zu den wichtigsten Fragen an den Anwalt in diesem Zusammenhang gehören:

  • Haben Sie bereits vergleichbare Fälle verhandelt?

  • Welche rechtlichen Risiken könnten in meinem Fall auftreten?

  • Welche Strategie empfehlen Sie, um den Fall zu klären?

  • Wie können Sie mir helfen, was können Sie konkret für mich tun?

  • Mit welchen Kosten muss ich rechnen?

Scheu oder falsche Scham ist keine gute Idee. Je offener und klarer die Kommunikation zwischen dem Mandanten und seinem Anwalt ist, desto größer sind die Chancen auf einen erfolgreichen Prozess.

Es geht auch völlig in Ordnung, sich während des Gesprächs Notizen zu machen. Schließlich kommen bei dem Gespräch viele Informationen zusammen, die sich der Mandant möglicherweise nicht alle merken kann.

Den Anwalt wechseln

Ist der Mandant mit seiner ursprünglichen Auswahl nicht zufrieden, kann er jederzeit einen anderen Anwalt beauftragen. Allerdings muss er die Leistungen, die der Anwalt bis dahin erbracht hat, bezahlen.

Eine Ausnahme gilt dann, wenn sich der Rechtsanwalt vertragswidrig verhalten hat. Das ist der Fall, wenn der Anwalt nicht über einen drohenden Interessenkonflikt aufgeklärt, seine Pflichten grob fahrlässig verletzt oder unberechtigt ein zu hohes Honorar verlangt hat.

Bei einem vertragswidrigen Verhalten kann das Mandat mit sofortiger Wirkung entzogen werden, ohne die getätigten Leistungen bezahlen zu müssen.

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Benjamin Naue, - Jurist, Sabine Scheuer, - Rechtsberaterin, David Wichewski, - Anwalt, sowie Ferya & Christian Gülcan, Gründer und Unternehmer in B2B & B2C Gewerbe, mit ca. 30 Jahren Erfahrung als Vertragspartner unterschiedlicher Branchen, Betreiber/in und Redakteur/in dieser Webseite, schreiben hier Wissenwertes, Tipps, Anleitungen und Ratgeber für Verbraucher zum Thema Verträge, Schriftverkehr und Recht. Die Inhalte des Informationsangebots stellen keine Rechtsberatung dar - somit ersetzen die Inhalte auch keine rechtliche Beratung.

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