Entscheidungen treffen – 6 Strategien

Entscheidungen treffen – 6 Strategien

Ob es um eine weitreichende Veränderung, einen neuen Job, eine größere Anschaffung oder nur einen eher harmlosen Vertrag geht, der schlimmstenfalls widerrufen oder nach kurzer Zeit gekündigt werden kann:

Zunächst einmal gilt es, eine Entscheidung zu treffen und sich in diesem Zuge für eine Option zu entscheiden.

Genau dies ist aber oft leichter gesagt als getan. Die verschiedenen Disziplinen der Wissenschaften versuchen schon seit langer Zeit zu ergründen, warum sich wann und wie jemand für die eine oder für die andere Möglichkeit entscheidet. Aus den Forschungsergebnissen wurden diverse Theorien abgeleitet.

 

Die folgende Übersicht stellt sechs Strategien vor, die bei der eigenen Entscheidungsfindung weiterhelfen können:

 

Strategie 1: aus dem Bauch heraus entscheiden

Ap Dijksterhuis, ein Psychologe aus den Niederlanden, führte Tests durch, bei denen er den Teilnehmern verschiedene Informationen über unterschiedliche Autos präsentierte. Eine Hälfte der Testteilnehmer hatte anschließend genügend Zeit, um sich mit den einzelnen Produktinformationen zu beschäftigen und ihre Wahl gut zu überdenken.

Die andere Hälfte der Testteilnehmer bekam die Aufgabe, verschiedene Rätsel zu lösen. Bei der Auswertung der Entscheidungen zeigte sich, dass die Testteilnehmer, die durch das Lösen der Rätsel abgelenkt gewesen waren, häufiger das qualitativ hochwertigste Auto ausgesucht hatten.

Der Psychologe zog daraus den Schluss, dass das Unterbewusststein in der Lage ist, die Fülle an vorhandenen Informationen sehr gut zu überblicken. Im Unterschied dazu kann das bewusste Nachdenken und Abwägen dazu führen, dass Informationen falsch beurteilt werden.

Eine Strategie beim Treffen von Entscheidungen kann deshalb sein, nicht alle relevanten Daten und Fakten zusammenzutragen, auszuwerten und gegeneinander abzuwägen, sondern stattdessen auf seine Intuition zu vertrauen und aus dem Bauch heraus zu entscheiden.

Beispiel: Angenommen, jemand sucht nach einer neuen Wohnung. In diesem Zuge sieht er sich mehrere Wohnungen an. Nach den Besichtigungen überlegt er sich nicht, was für die eine und was für die andere Wohnung spricht. Stattdessen hört er auf sein Gefühl und wählt die Wohnung, die ihm spontan am besten gefallen hat.

 

Strategie 2: das Satisficing-Prinzip

Der US-amerikanische Wissenschaftler Herbert Simon entwickelte das Konzept des Satisficing. Satisficing ist ein Kunstwort, das sich aus den Vokabeln satisfying für zufriedenstellend oder befriedigend und suffice für genügen oder ausreichen zusammensetzt. Seine Idee ist, dass die Entscheidung dann fällt, wenn die eigenen Vorstellungen, Erwartungen oder Ansprüche erfüllt sind.

Dabei werden weder mehrere Möglichkeiten miteinander vergleichen noch geht es darum, die ideale Lösung zu finden. Stattdessen wird die erste Option genutzt, bei der alle vorher festgelegten Merkmale zutreffen.

Beispiel: Die Kriterien für die Wohnung waren, dass sie drei Zimmer haben, über einen Balkon verfügen und nicht mehr als 750 Euro monatlich kosten sollte. Sobald der Wohnungssuchende eine Wohnung gefunden hat, bei der diese drei Vorgaben erfüllt sind, sagt er zu.

Er schiebt die Entscheidung also nicht hinaus, um sich noch andere Wohnungen anzuschauen, sondern nimmt diese, seine Vorstellungen ausreichend befriedigende Wohnung.

 

Strategie 3: das Kosten-Nutzen-Konzept

Das Kosten-Nutzen-Konzept geht auf den US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler George J. Stigler zurück. Das Konzept basiert auf der Annahme, dass jemand nicht alle Möglichkeiten ausschöpft, solange die Kosten für die Informationsbeschaffung niedriger sind als ihr Nutzen.

Die Folge davon kann sein, dass eine Entscheidung getroffen wird, die nicht die optimale Lösung ist. Sind die Kosten und der Aufwand für das Zusammentragen der Informationen hingegen höher als der Nutzen der Infos, ist kein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen den Kosten und dem Nutzen mehr vorhanden und die Bemühungen führen letztlich zu Verlusten.

Im Rahmen der Entscheidungsfindung gilt es also immer auch im Hinterkopf zu behalten, ob und inwieweit sich der ganze Aufwand überhaupt lohnt.

Beispiel: Der Wohnungssuchende durchforstet tagelang das Internet, studiert die Wohnungsmärkte in sämtlichen Tageszeitungen und fährt mehrfach quer durch die ganze Stadt, um sich verschiedene Wohnungen anzuschauen. Fraglich ist, ob sich das Geld und die Zeit, die er in die Wohnungssuche investiert hat, am Ende auszahlen. Dies gilt vor allem dann, wenn er sich für eine der ersten Wohnungen, die er sich angeschaut hatte, entscheidet.

 

Strategie 4: das 10-10-10-Modell

Suzy Welch, eine Autorin aus den USA, sieht in der Zahl 10 einen maßgeblichen Faktor bei der Entscheidungsfindung. Sie schlägt vor, eine Entscheidung nach dem 10-10-10-Modell zu prüfen. Demnach gilt es zu überlegen, wie sich die anstehende Entscheidung in zehn Minuten, in zehn Monaten und in zehn Jahren auswirken wird.

Beispiel: Der Wohnungssuchende liebäugelt mit einer Wohnung, ist aber noch unentschlossen. Er geht davon aus, dass er in 10 Minuten glücklich und zufrieden wäre, wenn er jetzt den Mietvertrag unterschreiben würde.

Beruflich und privat stehen keine großen Änderungen an, so dass er seine Entscheidung auch in 10 Monaten nicht bereuen würde. In 10 Jahren ist er vermutlich fest mit seinem Umfeld verwurzelt und fühlt sich hier sehr wohl. Zudem bietet die Wohnung die Möglichkeit, den gewohnten Alltag auch dann beizubehalten, wenn er vielleicht nicht mehr ganz so fit ist.

Auch mit Blick auf die Kosten ist die Wohnung jetzt und in 10 Jahren finanzierbar. Insofern steht der Entscheidung für die Wohnung nichts entgegen. Käme der Wohnungssuchende bei der 10-10-10-Analyse hingegen zu einem anderen Ergebnis, sollte er seine Wahl überdenken.

Strategie 5: alle Möglichkeiten durchspielen

Der Theologe und Autor Lukas Niederberger rät dazu, sich alle Möglichkeiten vor Augen zu führen und nacheinander durchzuspielen. Sein Ansatz ist von Ignatius von Loyola inspiriert.

Ignatius von Loyola gilt als der Gründer des Jesuitenordens und thematisierte in seinen Exerzitien die Entscheidungsfindung. Niederberger empfiehlt, sich zunächst zu überlegen, welche Optionen zur Wahl stehen. Anschließend sollte die erste Option in Gedanken durchgespielt werden.

Dabei sollte sich der Entscheidende vorstellen, er habe sich bereits für diese Möglichkeit entschieden, und nachvollziehen, wie es ihm damit geht. Gleichzeitig sollte er sich ausmalen, wie er wohl in einiger Zeit über diese Entscheidung denken wird. Mit etwas zeitlichem Abstand sollte er dann die nächste Möglichkeit durchspielen, danach die übernächste Option und so weiter. Hat er alle Varianten durchgespielt, sollte er am Ende eine Entscheidung treffen können.

 

Strategie 6: nicht die perfekte Lösung suchen

Viele Experten sind der Ansicht, dass sich Menschen deshalb schwer mit Entscheidungen tun, weil sie aus der Fülle der Möglichkeiten die optimale Lösung aussuchen wollen. Gleichzeitig hinterfragen sie ihre Entscheidungen ständig, teils aus Unsicherheit, ob es die richtige Entscheidung war, und teils aus dem Gefühl heraus, dass es vielleicht eine noch bessere Wahl gegeben hätte.

Dieses Denken führt auf Dauer aber nur zu Unzufriedenheit. Deshalb empfehlen Fachleute, nicht ständig zu zweifeln und zu hinterfragen. Außerdem sollte nicht permanent nach einer perfekten Lösung gesucht werden. Stattdessen ist es besser, sich in Bescheidenheit zu üben und eine gute, zufriedenstellende Lösung anzustreben.

Stellt sich im Nachhinein heraus, dass die getroffene Entscheidung falsch war, bleibt immer noch die Möglichkeit, die Wahl zu korrigieren. Untersuchungen haben gezeigt, dass es Menschen viel mehr bereuen, etwas nicht getan zu haben, als wegen einer unglücklichen Entscheidung auf die Nase gefallen zu sein.

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