Was sind Dark Patterns?

Was sind Dark Patterns?

Die sogenannte User Experience, also die Erfahrung, die Nutzer beim Besuch einer Webseite oder bei der Verwendung einer App machen, spielt eine immer größere Rolle. Gleichzeitig gibt es zunehmend mehr Technologien, die es ermöglichen, dem Nutzer genau die Inhalte zu zeigen, nach denen er sucht. Doch zusammen mit diesen Möglichkeiten wächst auch die Anzahl an Strategien, die darauf abzielen, dass der Nutzer eine bestimmte Handlung durchführt.

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Was sind Dark Patterns

Dabei sind die Handlungen längst nicht immer zum Vorteil des Nutzers, sondern eher im Sinne des Anbieters.

So ist es zum Beispiel auf vielen Internetseiten einfacher, einen Vertrag abzuschließen, als ihn zu kündigen, eine erteilte Zustimmung zu widerrufen oder einen Account zu löschen. Sind Vorgänge oder die Optik der Benutzeroberfläche so gestaltet, dass sie verwirren oder die beabsichtigte Handlung erschweren, wird von einem Dark Pattern gesprochen.

Was genau sind Dark Patterns?

Die Bezeichnung Dark Patterns wird für Benutzeroberflächen verwendet, die manipulativ gestaltet sind. Manipulativ meint, dass Informationen nicht neutral, undeutlich oder irreführend dargestellt werden, manchmal lassen sie sich auch nur schwer finden.

Die Gestaltung einer Webseite oder App basiert auf Erkenntnissen aus der Verhaltenspsychologie. Deshalb kann sie Reaktionen auslösen, die aus der Intuition heraus erfolgen. So hat ein Nutzer im Laufe der Zeit zum Beispiel gelernt, dass ein farbig hinterlegter Text ein Button ist und ein Klick darauf zu einer bestimmten Aktion führt.

Diese erlernten Verhaltensmuster machen sich auch Dark Patterns zunutze. Allerdings zielen sie auf Handlungen ab, die der Nutzer so womöglich gar nicht ausführen wollte.

Wie funktionieren Dark Patterns?

Dark Patterns werden in verschiedenen Varianten eingesetzt. Weit verbreitete Versionen sind diese:

Ein Element im Mittelpunkt

Seit im Mai 2018 die DSGVO eingeführt wurde, erscheint auf fast jeder Webseite ein Banner oder ein Pop-Up, durch das der Nutzer seine Privatsphäre-Einstellungen übermitteln soll. Oft ist dabei aber nur die Möglichkeit, alle Cookies zu akzeptieren, offensichtlich.

Der Link, um alle Cookies abzulehnen oder eine individuelle Auswahl zu treffen, wird teils gar nicht angezeigt oder ist durch eine versteckte Darstellung kaum zu erkennen. Weil die Aufmerksamkeit des Nutzers durch dieses Design gezielt auf die beabsichtigte Aktion des Anbieters gelenkt wird, liegt ein Dark Pattern vor.

Missverständliche Formulierung

Vor allem in Formularen tauchen Formulierungen auf, die unklar oder verwirrend sind. Ein Beispiel dafür ist ein bereits mit einem Häkchen markiertes Feld am Ende eines Anmeldeformulars, das die Erklärung „Ich möchte mich nicht zum Newsletter anmelden“ enthält.

Durch die verneinte Aussage ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Nutzer das „nicht“ überliest und das Häkchen entfernt. Dadurch meldet er sich aber zum Newsletter an, obwohl er das gerade nicht wollte.

Confirmshaming

Beim sogenannten Confirmshaming hat der Nutzer zwar eine Auswahlmöglichkeit. Allerdings ist die Antwort so formuliert, dass sie ein schlechtes Gewissen oder eine Art Schamgefühl hervorruft, wenn sich der Nutzer dafür entscheidet.

Kann der Nutzer zum Beispiel die Anmeldung zum Newsletter nur durch Erklärungen wie „Ich habe kein Interesse an Sonderangeboten“, „Ich will nicht informiert sein“ oder „Nein, ich möchte keinen guten Zweck unterstützen“ ablehnen, setzt der Anbieter auf Confirmshaming.

Vermeintliche Knappheit

In vielen Onlineshops ist aufgeführt, in welcher Stückzahl ein Produkt vorrätig ist. Diese Angabe soll die kurze Lieferzeit bestätigen und den Kaufprozess beschleunigen.

Einige Anbieter geben aber vor, dass nur noch sehr wenige Exemplare vorhanden sind, obwohl das Lager gut bestückt ist. Eine erfundene Knappheit soll bewirken, dass der Nutzer schnell zugreift.

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Zusatzprodukte

Manchmal werden dem Warenkorb zusätzliche Produkte hinzugefügt. Dabei handelt es sich meist um Leistungen wie eine Versicherung, eine kostenpflichtige Garantie-Verlängerung oder ein Premium-Abonnement.

Die Zusatzprodukte sind zwar gekennzeichnet und machen sich oft am Preis bemerkbar. Trotzdem können sie übersehen werden, wenn der Nutzer den Kaufprozess schnell abschließt.

Fehlende oder wechselnde Menüpunkte

Mitunter ist es gar nicht so einfach, online einen Vertrag zu kündigen oder ein Kundenkonto zu löschen. Denn einige Anbieter haben solche Möglichkeiten gut versteckt. Andere Anbieter verlangen eine Kündigung per Brief, obwohl der Vertrag online geschlossen oder das Kundenkonto über die Webseite eröffnet werden konnte.

Eine weitere Variante ist, dass sich die Bezeichnung im Verlauf des Kündigungsvorgangs ändert. So heißt der Menüpunkt zu Beginn noch „Kündigung“, später ist für die entscheidenden Schritte aber nur noch die Auswahl zwischen beispielsweise „Vorteile weiterhin nutzen“ und „Auf Vorteile verzichten“ möglich.

Auch solche Maschen sind Dark Patterns, weil sie darauf abzielen, das Ende der Vertragsbeziehung zu verhindern oder unnötig zu erschweren.

Warum kommen Dark Patterns zum Einsatz?

Dark Patterns sollen die Geschäftsziele der Anbieter unterstützen. Die manipulative Strategie soll dazu beitragen, dass der Nutzer persönliche Daten preisgibt oder Verträge abschließt.

Zusätzliche Daten erhalten die Anbieter, wenn sich der Nutzer zum Newsletter anmeldet oder in die Übermittlung von Daten einwilligt. Die gesammelten Daten können sie dann verwenden, um dem Nutzer personalisierte Inhalte anzuzeigen oder entsprechende Werbung einzublenden.

Finanzielle Vorteile ergeben sich aus Dark Patterns, wenn der Nutzer unbeabsichtigt Verträge oder Abos abschließt, versehentlich oder unbemerkt Zusatzprodukte kauft oder übersieht, Verträge rechtzeitig zu beenden.

Wie kann sich der Nutzer davor schützen, in eine Falle zu tappen?

Aus rechtlicher Sicht bewegen sich Dark Patterns in einer Grauzone. Die manipulative Gestaltung einer Benutzeroberfläche ist oft schwer zu fassen, weil sie zwar undeutlich oder verwirrend ist, aber eben nicht gegen Gesetze verstößt.

Für den Benutzer bedeutet das, dass er Vorsicht walten lassen sollte:

  • Statt Buttons einfach wegzuklicken, sollte der Nutzer genau lesen, welche Auswahlmöglichkeiten er hat.

  • Bei Formulierungen in Feldern, die ein Häkchen erfordern, sollte der Nutzer auf jedes Wort achten.

  • Selbst wenn angeblich nur noch wenige Exemplare vorrätig sind, sich gerade viele Nutzer den gleichen Artikel anschauen oder ein Angebot nur für sehr kurze Zeit gilt, sollte sich der Nutzer nicht vorschnell zu einem Kauf verleiten lassen.

  • Bevor der Nutzer eine Bestellung abschickt, sollte er noch einmal prüfen, was sich in seinem Warenkorb befindet.

Wichtig ist außerdem, sich kein ungutes Gefühl oder gar schlechtes Gewissen einreden zu lassen, bloß weil der Nutzer keine Zustimmung zur Datenübertragung erteilen oder einen Vertrag beenden will.

Mehr Rategeber, Tipps und Anleitungen:

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Benjamin Naue, 48 Jahre, Jurist, Sabine Scheuer, 41 Jahre, Rechtsberaterin, David Wichewski, 37 Jahre , Anwalt, sowie Ferya Gülcan Betreiberin und Redakteurin dieser Webseite, schreiben hier Wissenwertes, Tipps, Anleitungen und Ratgeber für Verbraucher zum Thema Verträge, Schriftverkehr und Recht.

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